Archiv für September 2010:

Alles oder nichts

Veröffentlicht am 20. September 2010 von

Einfach alles oder nichts,
das sind unsere Optionen,
nicht Asyl im Selbstbetrug,
wie Freunde bleiben,
dies’ Getue -
Freunde hab ich schon genug!

(2010)

Kein Jemand

Veröffentlicht am 19. September 2010 von

Wenn ich dich frage,
ob wir etwas unternehmen wollen,
dann frage ich nicht jemanden,
ich frage dich.
Ich hoffe,
du verstehst mich.

(2010)

Wie’s mir geht

Veröffentlicht am 19. September 2010 von

Mir geht’s so gut,
ich kann ja gar nichts sagen.
Mir geht’s so gut,
ich darf mich nicht beschwern.
Mir geht’s so gut,
manch andrer wäre froh.
Mir geht’s so schlecht,
weil’s mir so gut gehn muss.

(2010)

Liste #1

Veröffentlicht am 17. September 2010 von

Dinge, die ich mag (unsortiert):

  1. Kaffee mit viel Milch und etwas Zucker
  2. Bücher, die gut ausgehen und nicht zu anspruchsvoll sind
  3. Neue Kleidung
  4. Fotos gegen die Sonne
  5. Bei offenem Fenster schlafen können
  6. Käse
  7. Musik über Kopfhörer hören und dabei die Instrumente räumlich orten
  8. Warme, dicke Decken
  9. Schuhe
  10. Meine Freunde
  11. Mich in Diskusionen zu verstricken
  12. Das Meer/In die Wellen springen
  13. Star Wars, Episoden IV-VI (inklusive der Ewoks)
  14. Leute, die zum Bus rennen und dabei lächeln
  15. Ein ganz kleines bisschen betrunken sein
  16. Katzen
  17. Curry
  18. Explosionen in Superzeitlupe
  19. Lange Haare bei Mädchen
  20. Familiengeburtstage (wirklich!)
  21. Xbox-Spiele mit guter Geschichte
  22. Zwölf Uhr vierunddreißig und sechsundfünfzig Sekunden
  23. Gebügelte Kleidung
  24. Pilze (Champignons)
  25. Postkarten bekommen

Meine Bettdecke

Veröffentlicht am 16. September 2010 von

Ich schlafe das ganze Jahr unter meiner Winterdecke. Es ist eine gute Decke, mit echten Entendaunen. Meine Eltern haben sie mir mal aus einem Urlaub irgendwo in Osteuropa mitgebracht, weiß nicht mehr wo genau. „Du brauchst eine gute Decke!“, haben sie gesagt. Als Geburtstagsgeschenk. Den ganzen Urlaub hatten sie die dann im Auto und dann sind sie mit dem Ding an meinem Geburtstag zu mir gefahren. Gefreut habe ich mich erst nicht so sehr, ich dachte, sie bringen Absinth oder so was mit. Hätte mich dann aber auch wieder gewundert – nur komische Eltern schenken ihren Kindern Rauschmittel, gute Eltern schenken Biokuchen oder Pflegeprodukte, z.B. Badezusätze. Aber ich habe es dann bald eingesehen. Man braucht heutzutage eine gute Decke. Warum, darauf komme ich später zurück. Und mir ist nie zu warm unter ihr. Ich habe mich mal gefragt, woran das liegt, immerhin gibt es ja Sommerdecken. Das heißt, es gibt Leute, die (eventuell) ganz in meiner Nähe wohnen und die im Sommer und (eventuell) sogar im Winter unter Sommerdecken schlafen! Besonders das Im-Winter-Sommerdecken-Verhalten, also der Gedanke daran, hat mich sehr verstört. Wie können die das? Das sind doch nicht alles Eskimos oder Sibirier oder Nachfahren von denen und außerdem ist doch Kälteresistenz eher Gewohnheit als Genetik. Glaube ich zumindest. Und mit der Genetik ist das ja auch nun wirklich nicht so einfach, wie immer alle denken. Es gibt sicher auch kälteempfindliche Eskimos, ist ja fast ein evolutionärer Vorteil! Aber immer die Gene als Erklärung für alles herzunehmen, das machen ja auch nur dumme Leute. Die wissen gar nicht wie Gene funktionieren, die denken, da steht irgendwo ganz klein in den Zellen auf so einem Stück biologischem Papier „Sei geldgierig“ oder so was (jetzt mal als Beispiel) und dann macht der Mensch das und ist geldgierig. Wenn man denen dann sagt, dass das ein Bauplan für ein Protein ist, oder sogar nur für ein halbes Protein, und dass auch für ganz einfache Sachen, also z.B. Augenfarbe, vielleicht 50 Gene zuständig sind (können auch 100 oder 20 sein, das ist jetzt mal egal), dann verstehen die das gar nicht. Und dann gibt es ja auch noch Wissenschaftler, die haben gesagt, dass ganz oft die Umwelt entscheidend ist, welche Gene benutzt werden – d.h. aus welchen Genen Proteine hergestellt werden. (Die Gene sind danach immer noch da, die sind ja Baupläne.) Ein Beispiel: Wenn ein Kind immer ganz viele Nüsse und Fisch isst (das ist nämlich Brainfood) und außerdem immer gelobt wird und liebevoll behandelt wird, dann werden viele Proteine, die für das Gehirnwachstum und die Vernetzung von Neuronen zuständig sind, hergestellt und das Kind wird dann intelligent. Das Beispiel habe ich mir jetzt ausgedacht, aber genau so funktioniert das alles.
Zurück zu meiner Bettdecke: Sie ist, wie gesagt, eine Winterdecke aus Entendaunen und außerdem aus Osteuropa. Auch wenn es warm ist, muss ich unter meiner Decke liegen, meistens lege ich mich sogar noch etwas auf den Rand, klemme die Decke unter mir fest, damit keine kalte Luft reinzieht. Mir wird nachts einfach immer kalt und dann kann ich nicht einschlafen und denke darüber nach, warum mir kalt ist, weil ich vorher in meinem Schlafanzug noch vorm Fernseher saß und mir da nicht kalt war. Also Moment, ich sitze jetzt nicht jeden Abend vorm Fernseher, weil ich keine Freunde habe oder so. Ich sitze manchmal vorm Fernseher und oft auch mit meinen Freunden, wobei ich dann keinen Schlafanzug anhabe. Ich habe ja noch nicht mal Jogginghosen an, wenn ich Besuch bekomme! Ich finde, man sollte sich ordentlich anziehen, wenn man auf andere Leute trifft, dann aber auch nicht kleinlich sein, wenn die irgendwas anhaben, was nicht so dem eigenen Geschmack entspricht – es muss ja nicht jeder ständig mit gebügelter Hose mit Bügelfalten rumlaufen. Himmel, was kann denn an einer normalen Jeans und einem einfachen Hemd so verkehrt sein?!? Ich finde es allerdings auch fürchterlich, dass man kaum noch Hosen findet, die nicht schon verwaschen, verknittert (das geht ja noch, das kann man ja ausbügeln) oder sogar kaputt sind. Dieser used-look, wie der heißt, den kriege ich auch noch selbst mit meinen Klamotten hin, da brauche ich keinen Designer für. Sowieso, Design! Design ist Kunst ohne Seele, das hat mal irgendwer gesagt, vielleicht ist es auch von mir, ich weiß es nicht mehr. Man sollte wieder viel mehr auf die Funktion und den Zweck von den Gebrauchsgegenständen schauen, ich meine wer braucht bitte einen Toaster, der von Porsche designt wurde? Das sind doch völlig verunsicherte Leute mit frühzeitigem Haarausfall oder anderen körperlichen Defiziten.
Meine Bettdecke ist einfach nur für ihre Funktion gemacht worden, sie ist warm und weich und angenehm schwer, aber nicht erdrückend. Ich denke, es ist auch ein Gefühl von Sicherheit, was ich unter meiner Decke empfinde. Das passt ganz gut, ich komme nämlich jetzt darauf zurück, was ich am Anfang gesagt habe, dass man heutzutage eine gute Decke braucht. (Ich habe auch geschrieben, dass ich darauf zurückkommen werde.) Wenn mir also kalt ist, und ich nachdenke, warum das so ist, dann komme ich – vor allem wenn ich ferngesehen habe, deswegen habe ich das eben erwähnt – auf folgenden, schwerwiegenden Gedanken, bei dem ich den Leser bitten möchte, ihn (den Gedanken) kurz auf sich einwirken zu lassen. Ich möchte auch gar nicht viel Weiteres erklären oder herumreden, weil einfach Vielen dadurch einiges (eventuell) klar werden wird – trotzdem möchte ich noch eine Schlussfolgerung an den Schluss setzen, was ja wohl ziemlich passend ist. Vielleicht stimmt das ja alles gar nicht, vielleicht ist das ja nur so ein Gedanke. Aber manchmal helfen einem die unsinnigsten Gedanken an einer Stelle, an der man es nie erwartet hätte. Ein Freund von mir (eigentlich nur ein Bekannter; also er ist ein Freund von einer Freundin. Ich kenne sie von der Arbeit, aber ich arbeite nicht mit ihr zusammen), der hatte den Gedanken, dass er gegen jegliche Süchte immun ist und dann hat jemand mit ihm wetten wollen, dass er mit irgendwas anfangen soll – jetzt nicht mit was Gefährlichem – und dann wieder aufhören soll und dann hat er gewonnen, wenn er das kann. Dann haben sie sich auf Glücksspiele geeinigt (was ja bei kleineren Beträgen nicht so gefährlich ist) und vorletzte Woche hat der Freund (oder Bekannte, egal) beim Onlinepokern 2000 Euro gewonnen. Der ist jetzt richtig gut darin und verdient sein Geld damit. Da macht es ihm auch nichts mehr aus, seine Wettschulden einzulösen, ich glaube es war ein Jägerschnitzel mit Kartoffeln. Auch wenn das Beispiel jetzt ein bisschen anders strukturiert ist als mein Gedanke, zu dem ich jetzt gleich kommen werde, kann man doch sehen, dass man nie weiß, wohin einen seine Ideen führen und dass man keine Angst vor ungewöhnlichen Gedanken haben soll.
Jetzt also ohne Umschweife der Gedanke: Es liegt am Wandel! Da ist vielleicht mehr dran, als man zuerst denkt. Ich meine natürlich den Wandel mit neuen Erfindungen und Anforderungen, wie man sich verhalten muss oder was man anziehen muss oder so was. Der Wandel wird ja immer schneller und der erzeugt sozusagen psychisch-metaphysischen Wind und davon wird manchen eben kalt. Vielleicht sind das ja besonders feinfühlige Menschen, denen kalt wird, vielleicht sind es einfach die besonders bedrohten, vielleicht ist es Zufall und es liegt nur am Wohnort oder was man in der Kindheit immer gegessen hat oder an irgendwas anderem, woran man gar nicht denken kann. Aber der Wandel ist nun mal nicht zu leugnen. Und mal ehrlich: Kann ja sein, dass das nicht zusammenhängt. Aber wenn ich bloß eine osteuropäische Bettdecke aus Entendaunen brauche, dann bin ich doch zufrieden, wenn ich in meinem Bett liege und mir langsam warm wird.

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