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Wir können tun und lassen was wir wollen

Veröffentlicht am 30. August 2011 von

„Wir können tun und lassen was wir wollen, aber was wir wollen – unsere Wünsche – – unsere Wünsche kommen über uns wie ein fürchterliches Gespenst in einem alten Schloss bei Nacht, wie eine tödliche Krankheit in einem Gefangenenlager und wir sind ihnen hilflos ausgeliefert, wir sind die Sklaven unserer Wünsche.“ So eröffnete Johannes Eberstädter den neugegründeten Kindergottesdienst seiner Kleinstadt, denn er war klug (jedenfalls nicht dumm) und wollte einmal weise werden. Und er hatte sich vorgenommen die Kinder, die vom Gemeindepfarrer vertrauensvoll in seine Obhut gegeben wurden, auf das Leben, das wahre Leben vorzubereiten und den Staub von den Lehren der Kirche zu wischen.
Er strich mit seinen Handrücken die langen, offenen Haare hinter die Schultern und blickte in die Runde – große Augen, ungläubige Blicke, verwirrte Gesichter. Es weinte noch niemand, auch darauf wäre er vorbereitet gewesen. Keiner lachte, keiner kicherte. Für Johannes Eberstädter bedeutete das zweierlei: Er hatte es mit klugen, wissbegierigen Kindern zu tun, die von der Schule noch nicht zu passiven Aufnahmegefäßen verdorben wurden, die nichts mehr verstanden und einfach nur noch weg von redenden Erwachsenen wollten. Und er war sich sicher – er hatte tief in diesen guten, unschuldigen Kinderseelen eine unumstößliche Wahrheit berührt und sie empfänglich gemacht für seine weiteren Ausführungen. Er machte eine dramatische Pause, in der er sich auf seinen Stuhl, um den die anderen im Halbkreis versammelt waren, setzte. Es waren alles Erwachsenenstühle, der Kindergottesdienst fand ja zum ersten Mal statt, es war ja noch ein Experiment und die Kinder baumelten mit den Beinen.
„Könnt ihr mir sagen, wieso ihr euch zu Weihnachten einen Piratensäbel oder eine Barbie gewünscht habt? Wieso Ihr euch in einen eurer Klassenkameraden verliebt habt?“ Jetzt mussten alle lachen! Schnelle Blicke wurden ausgetauscht – dieser seltsame Mann mit den langen Haaren wusste über die Schande des Verliebtseins Bescheid! Geschockt von dieser Weisheit trafen sich mehr als einmal zwei Blicke gleichzeitig, die dann besonders schnell zu Boden fielen. Die Jungen lachten extra laut um zu zeigen, dass ihnen so etwas Unerhörtes noch nie passiert sei und die Mädchen versteckten sich, so gut es eben ging auf ihren Stühlen.
„Seht ihr!“, rief Johannes Eberstädter in die rumorende Menge. „Ihr wünscht euch es wäre nicht so, aber verlieben tut ihr euch trotzdem! Das Gespenst kommt einfach, ihr könnt nichts dagegen tun!“ Es lässt sich vermuten, dass der junge Mann mit seinen 15 Jahren dieser Erfahrung schon mehrfach schmerzlich unterlegen war und es spricht für ihn, die Kinder, wenn man sie schon nicht davor bewahren konnte, wenigstens darauf vorzubereiten. Unvermittelt leuchtete ein Kindergesicht auf – es gehörte zu Vincent, dessen Wirbelsäule von seinem Geistesblitz kerzengerade wurde und dessen Arm in die Luft schnellte. Er meldete sich, weil er ein braves Kind war, das die Worte der Erwachsenen immer furchtbar ernst nahm. „Herr… Herr… Mann?“ Die Kinder wussten nicht einmal seinen Namen und waren schon so viel weiter! Stolz erfüllte Johannes Eberstädter und er sagte gnädig lächelnd: „Eberstädter – aber nennt mich ruhig Johannes.“
„Herr Johannes? Kann man sich auch in das Gespenst verlieben?“ Diese Frage durchfuhr Johannes Eberstädter und kurzer Schwindel überkam ihn. Er verstand die Frage nicht, für einen kurzen Moment war er endlos enttäuscht von diesem dummen Kinderhaufen, bis er – das Ganze dauerte kaum zwei Sekunden – die Tragweite dieser Frage erkannte. Ein Idealist! Ein künftiges Genie! Dieses Kind fragte sich, ob man die Liebe lieben konnte! Dieser wundervolle, ins Nichts führende Gedanke verwandelte den Zyniker Johannes Eberstädter unmittelbar in einen Romantiker. Da die Kinder natürlich lachten, musste er laut rufen und verschaffte Vincent unendliche Erleichterung, dessen Gesicht war schon rot vor Scham über diese dumme Frage – obwohl die Kinder ihn gar nicht auslachten, sondern die bloße Vorstellung lustig fanden. Celine flüsterte Tara die Frage wie man denn einen Geist küssen sollte zu und beide mussten sich die Hände vor den Mund halten.
In dieses Durcheinander rief Johannes Eberstädter nun „Eine großartige Frage!“ hinein. Die Kinder verstummten. Auch sie waren der Meinung, dass diese Frage großartig gewesen war, aber sie wollten wissen, warum der seltsame Herr Johannes sie großartig fand. Immerhin war er schon alt, so alt, dass ihm das Verliebtsein wahrscheinlich gar nichts mehr ausmachte. Zu der Verwunderung der Kinder sagte Johannes Eberstädter: „Man sollte sich gegen seine Wünsche nicht wehren, sondern sie schätzen und sie pflegen, dann sind sie der Spiegel unserer Seele.“ Beeindruckt von seinem eigenen Satz lehnte er sich wieder zurück und Vincent war sehr stolz, dass seine Frage so einen klugen Satz bewirkt hatte, auch wenn er nicht vollständig verstand, was dieser bedeuten sollte. Aber eine Ahnung hatte er.
Nicht so Daniel. Er rief, noch beschwingt von der Frage die diese lustigen, ungewöhnlichen Gedanken ausgelöst hatten: „Kann man das Gespenst auch heiraten?“ Alle lachten und Tara sagte: „Man muss doch nicht gleich heiraten, wenn man verliebt ist! Das geht ja manchmal gar nicht.“ Das wusste sie nur zu gut, denn sie liebte, schon seit einigen Monaten, Robert Pattinson und der war nun wirklich viel zu alt für sie! „Man kann ja auch lieb haben ohne verliebt zu sein“, wandte Christina ein. „Zum Beispiel meinen kleinen Babybruder!“ Erleichterte Zustimmung zeigte sich auf den Gesichtern der Kinder. „Dann könnte ich auch mit dem Gespenst befreundet sein und es ganz doll lieb haben und mit ihm auf dem Schloss wohnen – und ganz viel Quatsch machen!“ Vincent war immer noch von der Idee eines Gespensterfreundes begeistert.
Johannes Eberstädter kam kaum noch mit, bei so vielen weisen Gedanken. Aber er war hoch zufrieden. Er ließ die Kinder reden und hörte aufmerksam zu, wie sie sich Gedanken über Liebenswertes machten. Erwähnten sie etwas Unliebenswertes fragte er nach den guten Seiten und die Kinder fanden auch immer welche. Die Zeit war verstrichen und Johannes Eberstädter hatte kaum etwas von dem anbringen können, was er vorgehabt hatte, war aber damit – und vor allem mit den Gedanken der Kinder im Einklang. Ungeduldige Eltern öffneten die Tür des Gemeindehauses und störten, ja zerbrachen die aufgeregte Runde. Schnell sagte Johannes Eberstädter: „Ja, hm, die Zeit ist ja auch schon um und wir müssen leider aufhören. Mir hat es ganz viel Spaß gemacht und ich hoffe euch auch! Wenn ihr wollt bis nächste Woche. Achtet auf euch, auf eure Wünsche und bekämpft sie nicht – sonst bekämpft ihr nur euch selbst.“ Den letzten Satz hatte er als Schluss vorbereitet und war glücklich ihn noch verwendet zu haben. Die Wichtigkeit eines dramatischen Schlusses sollte man nicht unterschätzen.
Auf dem Nachhauseweg wurden die Kinder von ihren Eltern gefragt, wie es war und was sie gemacht haben. Begeistert erzählten sie, dass sie über Gespenster und über wen man alles lieb hat geredet hatten. Den Eltern erschien die Themenwahl nicht angemessen – allein Gespenster waren wirklich kein christliches Thema! Taras Mutter rief am Nachmittag Celines Mutter an. Diese war nicht sonderlich empört über die unchristliche Themenwahl, hatte aber auch nichts Besseres zu tun und war außerdem die beste Freundin von Taras Mutter. Sie beschlossen, sich morgen beim Gemeindepfarrer zu beschweren. Dieser war die höhere Instanz und eine direkte Konfrontation erschien ihnen unangenehm. Außerdem waren sie der Meinung, dass man mit Jugendlichen sowieso nicht reden konnte, dass die Themenwahl genügend Zeichen für seine Unreife sei und er folglich ersetzt werden müsse.
Als sie beim Pfarrer anriefen, half der gerade seiner Haushälterin die frisch gewaschenen Gardinen wieder aufzuhängen. Er war sofort pflichtbewusst überrascht und versprach mit „dem Jungen“ darüber zu reden und legte schnell wieder auf. Fast genauso schnell hatte er es wieder vergessen. Beim nächsten Termin malten die Kinder ihre Wünsche und Johannes Eberstädter las die Geschichte vom verlorenen Sohn vor. Als die beiden Mütter das von ihren Kindern erzählt bekommen hatten, waren sie überzeugt, ihre Beschwerde hatte ihre Wirkung gezeigt und holten ihre Kinder beim dritten Termin mit einem überlegenen Lächeln und einem verächtlichen Blick ab. Diesmal war es um Armut, die Unterdrückung und die Hungertode in Afrika gegangen.

Saintes-Maries-de-la-Mer oder Anderswo

Veröffentlicht am 15. Oktober 2010 von

Es zählt niemals, wo du gerade bist. Wer ist bei dir? Zu wem wirst du gehen? Wo bist du gewesen?
Erinnerst du dich an die weiß verputzten Häuser mit den genauso weiß verputzten Mauern davor? Palmen und Meer. Oleander wuchs in den Gärten und viele Blumen, die ich gar nicht kannte. Sicher, es war ein Ferienort, aber ich habe keine Touristen gesehen, (diesmal nicht), bloß Menschen, spielende Kinder und hübsche Mädchen in Badekleidung.
Erinnerst du dich ans Meer, an den fast grauen, dunklen, feinen Sand? Aufgeschichtete Steinbrocken, wie kleine Dämme, die ins Meer liefen. Angler standen darauf. Ich habe Madeleines gegessen, am Strand. Ich dachte an alte, wirklich alte Zeiten mit einer lieben Freundin. Ich hoffe, es geht ihr gut.
Erinnerst du dich an die Restaurants? Die Straßen voll davon, eins nach dem anderen, fast endlose Straßen voll mit Restaurants und voller Leben. Ich habe Muscheln gegessen. Sie waren nicht sehr liebevoll zubereitet worden, aber mir haben sie köstlich geschmeckt.
Erinnerst du dich an das Wiederzurücksein, das Frühstück, die Neuigkeiten, die es gab? Der Kaffee war mittelmäßig und die Buffetplatten standen schon zu lang ungekühlt auf der Theke. Wir haben so viel gelacht. Es war wunderbar.
Wer ist bei dir? Wer war bei dir? Woran erinnerst du dich? Es zählt nicht, was gerade ist. (Nicht immer.)

Liste #1

Veröffentlicht am 17. September 2010 von

Dinge, die ich mag (unsortiert):

  1. Kaffee mit viel Milch und etwas Zucker
  2. Bücher, die gut ausgehen und nicht zu anspruchsvoll sind
  3. Neue Kleidung
  4. Fotos gegen die Sonne
  5. Bei offenem Fenster schlafen können
  6. Käse
  7. Musik über Kopfhörer hören und dabei die Instrumente räumlich orten
  8. Warme, dicke Decken
  9. Schuhe
  10. Meine Freunde
  11. Mich in Diskusionen zu verstricken
  12. Das Meer/In die Wellen springen
  13. Star Wars, Episoden IV-VI (inklusive der Ewoks)
  14. Leute, die zum Bus rennen und dabei lächeln
  15. Ein ganz kleines bisschen betrunken sein
  16. Katzen
  17. Curry
  18. Explosionen in Superzeitlupe
  19. Lange Haare bei Mädchen
  20. Familiengeburtstage (wirklich!)
  21. Xbox-Spiele mit guter Geschichte
  22. Zwölf Uhr vierunddreißig und sechsundfünfzig Sekunden
  23. Gebügelte Kleidung
  24. Pilze (Champignons)
  25. Postkarten bekommen

Meine Bettdecke

Veröffentlicht am 16. September 2010 von

Ich schlafe das ganze Jahr unter meiner Winterdecke. Es ist eine gute Decke, mit echten Entendaunen. Meine Eltern haben sie mir mal aus einem Urlaub irgendwo in Osteuropa mitgebracht, weiß nicht mehr wo genau. „Du brauchst eine gute Decke!“, haben sie gesagt. Als Geburtstagsgeschenk. Den ganzen Urlaub hatten sie die dann im Auto und dann sind sie mit dem Ding an meinem Geburtstag zu mir gefahren. Gefreut habe ich mich erst nicht so sehr, ich dachte, sie bringen Absinth oder so was mit. Hätte mich dann aber auch wieder gewundert – nur komische Eltern schenken ihren Kindern Rauschmittel, gute Eltern schenken Biokuchen oder Pflegeprodukte, z.B. Badezusätze. Aber ich habe es dann bald eingesehen. Man braucht heutzutage eine gute Decke. Warum, darauf komme ich später zurück. Und mir ist nie zu warm unter ihr. Ich habe mich mal gefragt, woran das liegt, immerhin gibt es ja Sommerdecken. Das heißt, es gibt Leute, die (eventuell) ganz in meiner Nähe wohnen und die im Sommer und (eventuell) sogar im Winter unter Sommerdecken schlafen! Besonders das Im-Winter-Sommerdecken-Verhalten, also der Gedanke daran, hat mich sehr verstört. Wie können die das? Das sind doch nicht alles Eskimos oder Sibirier oder Nachfahren von denen und außerdem ist doch Kälteresistenz eher Gewohnheit als Genetik. Glaube ich zumindest. Und mit der Genetik ist das ja auch nun wirklich nicht so einfach, wie immer alle denken. Es gibt sicher auch kälteempfindliche Eskimos, ist ja fast ein evolutionärer Vorteil! Aber immer die Gene als Erklärung für alles herzunehmen, das machen ja auch nur dumme Leute. Die wissen gar nicht wie Gene funktionieren, die denken, da steht irgendwo ganz klein in den Zellen auf so einem Stück biologischem Papier „Sei geldgierig“ oder so was (jetzt mal als Beispiel) und dann macht der Mensch das und ist geldgierig. Wenn man denen dann sagt, dass das ein Bauplan für ein Protein ist, oder sogar nur für ein halbes Protein, und dass auch für ganz einfache Sachen, also z.B. Augenfarbe, vielleicht 50 Gene zuständig sind (können auch 100 oder 20 sein, das ist jetzt mal egal), dann verstehen die das gar nicht. Und dann gibt es ja auch noch Wissenschaftler, die haben gesagt, dass ganz oft die Umwelt entscheidend ist, welche Gene benutzt werden – d.h. aus welchen Genen Proteine hergestellt werden. (Die Gene sind danach immer noch da, die sind ja Baupläne.) Ein Beispiel: Wenn ein Kind immer ganz viele Nüsse und Fisch isst (das ist nämlich Brainfood) und außerdem immer gelobt wird und liebevoll behandelt wird, dann werden viele Proteine, die für das Gehirnwachstum und die Vernetzung von Neuronen zuständig sind, hergestellt und das Kind wird dann intelligent. Das Beispiel habe ich mir jetzt ausgedacht, aber genau so funktioniert das alles.
Zurück zu meiner Bettdecke: Sie ist, wie gesagt, eine Winterdecke aus Entendaunen und außerdem aus Osteuropa. Auch wenn es warm ist, muss ich unter meiner Decke liegen, meistens lege ich mich sogar noch etwas auf den Rand, klemme die Decke unter mir fest, damit keine kalte Luft reinzieht. Mir wird nachts einfach immer kalt und dann kann ich nicht einschlafen und denke darüber nach, warum mir kalt ist, weil ich vorher in meinem Schlafanzug noch vorm Fernseher saß und mir da nicht kalt war. Also Moment, ich sitze jetzt nicht jeden Abend vorm Fernseher, weil ich keine Freunde habe oder so. Ich sitze manchmal vorm Fernseher und oft auch mit meinen Freunden, wobei ich dann keinen Schlafanzug anhabe. Ich habe ja noch nicht mal Jogginghosen an, wenn ich Besuch bekomme! Ich finde, man sollte sich ordentlich anziehen, wenn man auf andere Leute trifft, dann aber auch nicht kleinlich sein, wenn die irgendwas anhaben, was nicht so dem eigenen Geschmack entspricht – es muss ja nicht jeder ständig mit gebügelter Hose mit Bügelfalten rumlaufen. Himmel, was kann denn an einer normalen Jeans und einem einfachen Hemd so verkehrt sein?!? Ich finde es allerdings auch fürchterlich, dass man kaum noch Hosen findet, die nicht schon verwaschen, verknittert (das geht ja noch, das kann man ja ausbügeln) oder sogar kaputt sind. Dieser used-look, wie der heißt, den kriege ich auch noch selbst mit meinen Klamotten hin, da brauche ich keinen Designer für. Sowieso, Design! Design ist Kunst ohne Seele, das hat mal irgendwer gesagt, vielleicht ist es auch von mir, ich weiß es nicht mehr. Man sollte wieder viel mehr auf die Funktion und den Zweck von den Gebrauchsgegenständen schauen, ich meine wer braucht bitte einen Toaster, der von Porsche designt wurde? Das sind doch völlig verunsicherte Leute mit frühzeitigem Haarausfall oder anderen körperlichen Defiziten.
Meine Bettdecke ist einfach nur für ihre Funktion gemacht worden, sie ist warm und weich und angenehm schwer, aber nicht erdrückend. Ich denke, es ist auch ein Gefühl von Sicherheit, was ich unter meiner Decke empfinde. Das passt ganz gut, ich komme nämlich jetzt darauf zurück, was ich am Anfang gesagt habe, dass man heutzutage eine gute Decke braucht. (Ich habe auch geschrieben, dass ich darauf zurückkommen werde.) Wenn mir also kalt ist, und ich nachdenke, warum das so ist, dann komme ich – vor allem wenn ich ferngesehen habe, deswegen habe ich das eben erwähnt – auf folgenden, schwerwiegenden Gedanken, bei dem ich den Leser bitten möchte, ihn (den Gedanken) kurz auf sich einwirken zu lassen. Ich möchte auch gar nicht viel Weiteres erklären oder herumreden, weil einfach Vielen dadurch einiges (eventuell) klar werden wird – trotzdem möchte ich noch eine Schlussfolgerung an den Schluss setzen, was ja wohl ziemlich passend ist. Vielleicht stimmt das ja alles gar nicht, vielleicht ist das ja nur so ein Gedanke. Aber manchmal helfen einem die unsinnigsten Gedanken an einer Stelle, an der man es nie erwartet hätte. Ein Freund von mir (eigentlich nur ein Bekannter; also er ist ein Freund von einer Freundin. Ich kenne sie von der Arbeit, aber ich arbeite nicht mit ihr zusammen), der hatte den Gedanken, dass er gegen jegliche Süchte immun ist und dann hat jemand mit ihm wetten wollen, dass er mit irgendwas anfangen soll – jetzt nicht mit was Gefährlichem – und dann wieder aufhören soll und dann hat er gewonnen, wenn er das kann. Dann haben sie sich auf Glücksspiele geeinigt (was ja bei kleineren Beträgen nicht so gefährlich ist) und vorletzte Woche hat der Freund (oder Bekannte, egal) beim Onlinepokern 2000 Euro gewonnen. Der ist jetzt richtig gut darin und verdient sein Geld damit. Da macht es ihm auch nichts mehr aus, seine Wettschulden einzulösen, ich glaube es war ein Jägerschnitzel mit Kartoffeln. Auch wenn das Beispiel jetzt ein bisschen anders strukturiert ist als mein Gedanke, zu dem ich jetzt gleich kommen werde, kann man doch sehen, dass man nie weiß, wohin einen seine Ideen führen und dass man keine Angst vor ungewöhnlichen Gedanken haben soll.
Jetzt also ohne Umschweife der Gedanke: Es liegt am Wandel! Da ist vielleicht mehr dran, als man zuerst denkt. Ich meine natürlich den Wandel mit neuen Erfindungen und Anforderungen, wie man sich verhalten muss oder was man anziehen muss oder so was. Der Wandel wird ja immer schneller und der erzeugt sozusagen psychisch-metaphysischen Wind und davon wird manchen eben kalt. Vielleicht sind das ja besonders feinfühlige Menschen, denen kalt wird, vielleicht sind es einfach die besonders bedrohten, vielleicht ist es Zufall und es liegt nur am Wohnort oder was man in der Kindheit immer gegessen hat oder an irgendwas anderem, woran man gar nicht denken kann. Aber der Wandel ist nun mal nicht zu leugnen. Und mal ehrlich: Kann ja sein, dass das nicht zusammenhängt. Aber wenn ich bloß eine osteuropäische Bettdecke aus Entendaunen brauche, dann bin ich doch zufrieden, wenn ich in meinem Bett liege und mir langsam warm wird.

Für die schlechten Tage
(Wortspielerei #5)

Veröffentlicht am 7. August 2010 von

Ich bin bestens besorgt,
keine Geldprobleme,
habe Freunde und Spaß
im besten der Gesellschaftssysteme.
Ich bin gut im Beruf
und stehe mitten im Leben,
ich bin voller Liebe
und kann sie niemandem geben.

Ich habe alles
und nichts was zählt.
Gäbe es was andres zu wählen,
ich hätt’ was andres gewählt.

(2008)

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